Vorwort:
Diese Seiten sind für alle Freunde des besonderen Motors und natürlich auch des exclusiven Fahrzeuges gedacht. Im folgenden findet Ihr einen Testbericht, eine Anleitung in der die wesentlichen Umbaumassnahmen beschrieben werden und eine Teileliste mit der ein solcher Motor wie das Original aufgebaut werden könnte. Ergänzende Daten sollten beim örtlichen "VW-Dealer" eingesehen werden (Mikrofilme). Dass diese Anleitung lediglich eine Hilfe darstellt und selbstverständlich kostenlos ist, versteht sich von selbst (eine Eintragung im
Gästebuch wäre aber nett)! Ergänzungen, Anregungen oder auch eventuelle Fehler bitte ich an die untenstehende Adresse zu mailen!Für die USA und Canada ist
H-S Motorsports die kompetenteste Adresse, welche auch freundlicherweise die Fotos zur Verfügung gestellt hat!Auto Motor Sport- Bericht Ausgabe 11/1989
Hahns Dampf
Der Konzernchef Carl H. Hahn gab grünes Licht, und Volkswagen probiert die Zukunft aus: Eine limitierte Serie von zunächst 70 Super-Golf soll Bausteine der VW-Technik von morgen in sich vereinen. Wie gut ist der mit 210 PS stärkste Serien- Volkswagen aller Zeiten?
Auf den ersten Blick wirkt dieser Golf so undramatisch grau wie sein Anstrich. Er tritt etwas hochbeinig auf, verzichtet dabei auf Spoiler und den üblichen Kunststoffbehang, auch gibt er sich nicht einmal durch Doppelscheinwerfer als sportlicher Dynamiker zu erkennen. Die äußere Zurückhaltung steht im krassen Gegensatz zu den inneren Werten dieses Golf, hinter der dezenten Aufmachung verbirgt sich jede Menge Brisanz. Im Maschinenabteil des neuen Golf Limited arbeitet nämlich ein Triebwerk, das es in all seiner technischen Avantgarde bei Volkswagen in der Großserie erst in ein paar Jahren geben soll. Eine kreative Zelle in der VW- Forschung und eine Kleinserie bei VW Motorsport haben das Langzeitprojekt beschleunigt.
Die Rede ist von einem 1,8 Liter großen Vierzylinder mit vier Ventilen pro Brennraum, dem ein mechanischer G 60-Lader (1,56 bar Laderdruck) zu einer Leistung von 210 PS (155 KW) verhilft. Diesen Leistungsschub steckt der Vierzylinder aus dem Golf GTI 16V mit erstaunlicher Lässigkeit weg. Die Spezialkur für den Limited- Einsatz ist alles andere als Tuning am Limit. Es gibt nur vier Kolben mit vernickelten Böden, spezielle Kolbenringe und eine dickere Zylinderkopfdichtung, die das Verdichtungsverhältnis von 10,0:1 (Serie) auf 8,8:1 reduziert. Auf der Einlaßseite rotiert eine neue Nockenwelle mit 9,6 Millimeter Hub (Serie 9,0 mm), wie sie auch schon der Serien- 16V- Motor einmal im Kopf trug, ehe der Katalysator und das bleifreie Benzin neue technische Vorgaben brachten. Auch der Limited- Golf ist abgasentgiftet. Um den US- Abgaszyklus zu bestehen, leistet sich das 1,8 Liter- Aggregat den Luxus von zwei Katalysatoren. Von seiner Kraft geht dabei nichts verloren: Eine Leistung von 210 PS (155 KW) und ein Drehmoment von 252 Newtonmeter, das waren vor wenigen Jahren Leistungsdaten, mit denen Rennautos, allenfalls noch hochkarätige Sportwagen vergleichbaren Hubraums aufwarten konnten. Verantwortlich dafür, daß keine Brachialgewalten am Serienlenkrad zerren, ist hauptsächlich der Syncro- Allradantrieb, der selbst Leistungen von über 200 PS geschickt auf alle Viere verteilt.
Gedämpft wird das Antrittserlebnis aber auch durch das Gewicht des Limited Golf. Die viertürige Karosserie und Ausstattungs- Accessoires wie Ledergarnitur, Sitzheizung, Schiebedach und Zentralverriegelung bringen das Leergewicht auf stolze 1275 Kilogramm. Ein Beschleunigungswert von 7,4 Sekunden für den Spurt aus dem Stand zur 100 km/h- Marke kann unter dieser Last als ausgesprochen gut betrachtet werden. Im eigenen Haus der absolut Schnellste, kann der Limited- Golf auch im Kader der aktuellen Sport- Limousinen bestehen. Ein Lancia Delta HF Integrale erledigt den Sprint etwas schneller in 7,1 Sekunden, der BMW M3 läßt sich mit 7,6 Sekunden etwas mehr Zeit, und beim Mercedes 190 E 2.5-16 vergehen sogar 8,1 Sekunden. Für einen Motor mit einer Literleistung von über 100 PS tritt das geladene Aggregat ausgesprochen kultiviert an, mit sauberem Leerlauf und samtiger Leistungsentfaltung bis hin zum Limit bei 7000 Touren. Und wer nicht gerade mit voller Macht den etwas zu kurz geratenen ersten Gang ausquetscht, der wird vielleicht sogar ein wenig enttäuscht sein. Denn der Kraftprotz verrichtet seinen Dienst zwar ausgesprochen zügig, aber ohne jede Dramatik.
Trotzdem enttäuschten diese Zahlenspiele etwas. Hat doch Volkswagen Motorsport, Initiator der neuen Limited- Linie, quasi als Warm- up bereits einen Turbo- Golf auf die Sprintstrecke geschickt, der sich in nur 5,8 Sekunden aus dem Stand zur 100 km/h- Marke katapultierte. Der Turbo- Vorläufer gab sich ausgesprochen spartanisch und brachte gerade 1170 Kilogramm auf die Waage, mit seinem sonoren Auspuffsound hätte er wohl kaum die Hürde der Lärmvorschrift gemeistert. Außerdem paßt bei VW nach der Präsentation des G- Laders der Turbo wirklich nicht mehr ins Konzept, auch nicht, wenn es sich wie beim Limited nur um eine Sonderserie von 70 Autos handelt.
Die Erblast des G- Laders und der 1275 Kilogramm- Ballast lassen den Limited jedenfalls keineswegs untermotorisiert durch Land schleichen. Im Gegenteil: Eine Spezialität von Hahns Dampf in allen Gassen ist beispielsweise bei Tempo 80 im dritten Gang bei 4000 Touren. Natürlich wurden Dämpferabstimmung, Stärke der Stabilisatoren und Federkennung der möglichen Gangart angepaßt. Vorn stieg die Federrate im Vergleich zum gemeinen Syncro von 21 Newton pro Millimeter auf 30 Newton pro Millimeter, hinter wurden progressive Federn verbaut, die einen Bereich von 25 bis 45 Newton pro Millimeter abdecken. Das Erstaunliche am unscheinbaren Limited- Golf ist, daß er nicht nur hurtig beschleunigt, sondern daß er seine Passagiere dabei auch noch mit einem ordentlichen Maß an Komfort verwöhnt. Das Auspendeln von Fahrbahnstößen gelingt dem Limited jedenfalls weit besser als dem Golf GTI 16V. Trotz seiner knapp 1,3 Tonnen wirkt der G- Lader- Golf ausgesprochen handlich, und mit seiner leichten Untersteuertendenz ist er stets problemlos zu beherrschen. Er läuft auch bei hohem Tempo spurtreu geradeaus und nervt seine Passagiere eigentlich nur durch eine leichte Stuckerneigung auf Querfugen - was offensichtlich einer etwas zu weichen Motorlagerung zuzuschreiben ist. Einziges Manko der sonst gelungenen Abstimmung: wenn sich in sehr schnell gefahrenen Biegungen zu den Fliehkräften noch ein paar Bodenwellen gesellen, dann kommt nicht allein der Golf- Aufbau ins Wanken- auch beim Chauffeur macht sich ein ungutes Gefühl breit. Der gesamte Abstimmungsaufwand wurde nicht allein für 70 Sondermodelle betrieben. Das Fahrwerk des Limited entsteht nicht durch Griff in Regal, es ist ein Schritt in die Zukunft. Das Sondermodell bekam die Komponenten des neuen Golf G60 Rallye untergebaut. Und von dem neuen VW- Sportler, der zur Gruppe A- Homologation in einer 5000er- Serie aufgelegt wird, hat der Limited noch ein paar andere Zutaten geerbt: beispielsweise den kompletten Vorderwagen, das neue Getriebe mit der Seilzugschaltung, die voluminösen Kühler und die großen Radhäuser, die den vier angetriebenen Rädern mehr Freiraum verschaffen. Verschont blieb der Limited freilich von den üppigen Kotflügelverbreiterungen und den Spoilern des G60 Rallye. Schließlich hatte Klaus- Peter Rosorius, Geschäftsführer von VW Motorsport und Triebfeder des Limited- Projekts, ein klares Ziel im Visier: Sein Golf sollte kraftvoll, aber unscheinbar auftreten. Ohne die Hilfe der Forscher und Entwickler des Volkswagen- Werks hätte er dieses Ziel wohl kaum realisieren können.
Nicht nur der G- Lader- Motor stammt aus Wolfsburg, dort wird der Limited auch produziert - was nicht einfach ist. In Halle 18 entsteht ein Zwitter aus viertürigem Golf, Syncro und Rallye. Diese Mixtur passt auf kein ordentliches Fließband. Allein für die Karosserie müssen Komponenten aus Brüssel und aus Wolfsburg zusammengefügt werden. Der stärkste Serien- VW aller Zeiten entsteht deshalb in Handarbeit. Und wer beim Preis von 68 500 Mark ehrfürchtig zusammenzuckt, dem sei gesagt, dass bei der Limited- Kalkulation am absoluten unteren Limit operiert wurde- ein Freundschaftspreis für Freunde des Hauses, wie man in Wolfsburg behauptet.
Die Produktion läuft gerade langsam mit einem Auto pro Woche an, aber schon jetzt kann man der neuen Kreation der VW- Sportdepandance bescheinigen: der Limited hat das Limit bei Volkswagen nach oben verschoben. Zumindest was die Leistung, das Spurtvermögen, den Preis und auch den Verbrauch betrifft: der durchschnittliche Testverbrauch lag bei 14,6 Liter pro 100 km; wer den starken Golf auf der Autobahn aber bis an seine Grenzen fährt, der muß nach 100 Kilometern bis zu 23 Litern bleifreien Superkraftstoff nachfüllen. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 229 km/h liegt der Limited knapp über dem Wert des windschnittigeren Corrado (Höchstgeschwindigkeit 226 km/h). Seine Handicaps im Vergleich zum strömungsgünstigeren Coupé: die große Bodenfreiheit, der zerklüftete Syncro- Unterboden und die heftige Durchströmung des Motorabteils mit den großen Kühlern vom G60 Rallye. Über den CW-Wert des Limited schweigt man sich bei Volkswagen aus. Auf Grund der vorgegebenen Leistung und der erreichten Höchstgeschwindigkeit lässt sich aber leicht abschätzen, in welchen Regionen er sich bewegen muß: knapp unter 0,4. Also erzielt der Super- Golf auch in dieser Disziplin einen zumindest hausinternen Rekord.
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